klasse 5.1
  Das Warndt-Gymnasium begrüßt die ersten Schüler des neuen bilingualen Zweiges!

Am 8. August 2011, zu Beginn des neuen Schuljahres, traten drei Fünferklassen ihr Schülerdasein am Warndt-Gymnasium an. Was seit Jahren angedacht worden war, wurde nun Realität: unter den drei Fünferklassen trägt eine den Zusatz „bilingual französisch“. Somit wird das Warndt-Gymnasium in den Kreis derjenigen Schulen aufgenommen, welche bilinguale Zweige anbieten. Unter den saarländischen Gymnasien waren dies bisher das Robert-Schuman-Gymnasium in Saarlouis, das Privatgymnasium Johanneum in Homburg und das Illtal-Gymnasium in Illingen.

Für die Schüler bedeutet bilingual, dass sie in den Klassenstufen 5 und 6 ein bis zwei Stunden Französisch pro Woche mehr haben. Die Zusatzstunde in den ersten beiden Jahren soll nicht einfach eine vermehrte Lernzeit sein, sondern die Gelegenheit bieten, durch Zusatzangebote die Lehrgangsroutine zu durchbrechen und in kleinen Projekten der französischen Sprache in anderer Form zu begegnen. Ab Klasse 7 wird die eigentliche Besonderheit des Zuges deutlich: die Schüler werden in einem Sachfach von einer qualifizierten Lehrkraft in französischer Sprache unterrichtet. Natürlich geht dies nicht von heute auf morgen, doch ist es das erklärte Leitziel, mittelfristig in der Fremdsprache die gleichen Inhalte zu vermitteln, wie auch in einem deutschsprachigen Unterricht. Leitbild, wenngleich unerreichbar, ist der Sachfachunterricht im Zielsprachenland. Umgekehrt bedeutet dies, dass der Lehrer keinen versteckten Französisch-Unterricht veranstalten soll und die Richtigkeit der sprachlichen Äußerungen, schriftlich oder mündlich, in seine Bewertung nicht einfließen lässt. Stattdessen werden nur die Inhalte des Sachfachs berücksichtigt. Und nur wenn die sprachlichen Mängel so weit gehen, dass Sachverhalte falsch oder unvollständig dargestellt werden, wird die Kommunikationsfähigkeit des Schülers indirekt bewertet. Dies ist in einem muttersprachlichen Unterricht nicht anders. Die klassischen Sachfächer des bilingualen Unterrichts sind die gemeinschaftskundlichen Fächer wie Erdkunde und Geschichte, die der traditionellen „Landeskunde“ nahe stehen. Doch lässt die Verordnung zum bilingualen Unterricht auch andere Fächer zu, so dass die Schulen je nach Qualifikation ihrer Lehrkräfte flexibel agieren können.

Krönung eines bilingualen Zweiges ist zweifelsohne das Abibac: Schüler, die bilinguale Fächer in der Oberstufe fortführen und auch im Abitur die entsprechenden Prüfungen ablegen, erwerben ein in Frankreich und in Deutschland vollwertig anerkanntes Abitur. Zurück zum Warndt-Gymnasium, dessen Fünftklässler gerade ihre ersten gymnasialen Gehversuche unternehmen. Unser Gymnasium, in dem Französisch schon immer erste Fremdsprache gewesen ist, pflegt ein Austauschprogramm mit lothringischen Partnerschulen in Grenznähe, und begleitete in den letzten Jahren zahlreiche Schüler bei dem sehr erfolgreichen Schuman-Programm (z.B. 15 Schüler im letzten und 11 in diesem Schuljahr). Nun möchte es seine Verbundenheit mit dem französischen Nachbarn durch sein französisch-bilinguales Angebot weiteren Ausdruck verleihen. Wir antworten zugleich auf eine Entwicklung an den Grundschulen in den Warndt-Gemeinden. Seit 2007/8 gibt es an der Grundschule in Lauterbach eine saarlandweit erste bilinguale Klasse, die seitens der Eltern auf große Nachfrage stößt. Den Schülerinnnen und Schülern wird ab der ersten Klasse ein verstärkter Französischunterricht durch einen native speaker erteilt, und das mit großem Erfolg. Die Ergebnisse am Ende der Klasse 4 können sich sehen lassen. Schülerinnen und Schüler verstehen und sprechen die oftmals als schwer verschriene Sprache außerordentlich gut. Nur das Schreiben in der Fremdsprache wird dem Unterricht an weiterführenden Schulen überlassen. Es war somit ein Anliegen des Ministeriums für Bildung, diese frühe und lohnende Investition nicht brach liegen zu lassen, sodass unser Antrag auf Einrichtung eines bilingualen Zweiges von der Schulaufsicht auch umgehend genehmigt wurde. Den Absolventen dieses vierjährigen Grundschulzuges kann von nun an unserer Schule eine sinnvolle Fortsetzung angeboten werden.

Natürlich handelt es sich hier noch um eine Minderheit, doch haben sich andere Grundschulen im Warndt dem Modell Lauterbach angeschlossen, so dass unsere bilingualen Klassen bereits in 5 mit ganz anderen Voraussetzungen starten werden. Wir haben auf diese besondere Sachlage reagiert und füttern die Schüler dieser Klasse bereits in 5 in den Fächern Bildende Kunst und im Fach Naturwissenschaften mit kleineren Impulsen in französischer Sprache: sei es, in dem bei Beschriftungen auch die französischen Fachbegriffe zum Zuge kommen, sei es dass einfachere Anweisungen, Abfrage-Rituale oder auch mal ein Hefteintrag auf Französisch erfolgen. Denkbar ist auch die Verwendung französischer Quellen, so dass es für die Schüler allmählich zu einer Normalität wird, mit beiden Sprachen konfrontiert zu sein. Unsere Bemühungen stecken aber vorerst noch in den Kinderschuhen, und wir wollen jetzt zusammen mit unseren 24 Schülerinnen und Schülern dieser Klasse die ersten bilingualen Gehversuche starten. Aber natürlich hoffen wir, dass diese Schüler positive Erfahrungen machen. Und unser Fernziel? - In 8 Jahren den ersten Abibac-Schülern ihr deutsch-französisches Abitur zu überreichen.